Wildbienenschutz in Schmalenbruch

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Schwindende Natur- und Lebensräume machen heimischen Insekten schwer zu schaffen. Daher ist es wichtig, ihnen Nistplätze anzubieten. In Deutschland sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder vom Aussterben bedroht; 39 Arten sind bereits ausgestorben. 

 

Grundlage jedes Wildbienenschutzes sollte deshalb die Erhaltung der artspezifischen Nahrungsquellen und der Nistplätze sein.

 

Aus diesem Grund wurde in Wölpinghausen (OT Schmalenbruch) eine Artenschutzmaßnahme für Wildbienen auf der Streuobstwiese des Nabu Samtgemeinde Sachsenhagen e.V. an der Schmalenbrucher Straße, Ecke Holzstraße von Grund auf neu installiert. 

 

 

 

 

NABU - Streuobstwiese Schmalenbruch

 

Dank der Förderung der Niedersächischen Bingo-Umweltstiftung konnte das Projekt Wildbienenwand realisiert werden.

Dabei hat die NABU-Ortsgruppe genau darauf geachtet hat, dass die aktuellen Erkenntnisse zum Bau einer Wildbienenwand beachtet werden. 

 

Es kam nicht darauf an den ästhetischen Ansprüchen der Menschen zu genügen, sondern den natürlichen Ansprüchen der Besiedler.

Wildbienenexperte Dr. Paul Westrich, weist seit Jahren darauf hin, dass die Mehrzahl der gut gemeinten Angebote nicht geeignet sind, um den Wildbienen eine Nistmöglichkeit anzubieten.

Entsprechend der Empfehlung von Dr. Paul Westrich wurden unter anderem alte, sogenannte Hohl-Strangfalzziegel beschafft und verbaut, die von Wildbienen gut angenommen werden. Abgestorbene  Ostbaumstämme, die von der Streuobstwiese am Steinbruch beschafft wurden,  dienen den Bienen zusätzlich als Bau und Nistmaterial.

 

Ende 2021 wird die bereits von etlichen Bienen besiedelte Wildbienenwand noch mit Hinweistafeln versehen.

 

Ein Pfad entlang der Trockenmauer führt am Rand der Wiese zur Bienenwand und soll Besucher zur Beobachtung und Erkundung einladen.

 

Aber gute Nistmöglichkeiten allein reichen nicht aus, um Bienen anzusiedeln. Dafür wurden auf der Streuobstwiese genügend heimische Blühpflanzen ausgesät. 

 

Mit Hilfe der Bienen möchte der NABU Samtgemeinde Sachsenhagen e.V auch eine optimale Befruchtung der Obstblüten erreichen. 

 

 

Alle Wildbienen sind intensive Blütenbesucher. Sie ernähren sich nicht nur als adulte Insekten von Pollen und Nektar, sondern auch als nestbauende Arten zur Versorgung ihrer Brut. Deshalb sind viel mehr Blütenbesuche als zur Eigenversorgung nötig. Gerade das macht Wildbienen im Vergleich zu anderen blütenbesuchenden Insekten zu besonders effizienten Bestäubern.


Wildbienen

Bienen allgemein

Mit dem Begriff Bienen sind sowohl die bekanntesten Bienen, die Honigbienen, als auch die Wildbienen gemeint. Nur die Honigbiene wird als Nutztier gehalten und liefert Honig und Wachs, die anderen Bienenarten leben wild. In Deutschland wurden mindestens 570 verschiedene Arten von Bienen gezählt. 52 Prozent der heimischen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste (Stand 2011) und gelten daher als bedroht; 39 Arten wurden bereits ausgerottet. 

Wildbienenweibchen werden ca. 5 bis 11 Wochen alt, die Männchen leben 3 bis 7 Wochen.

Wildbienen werden ab Anfang März aktiv und einige Arten fliegen bis in den September hinein (abhängig von Witterung und Temperatur).


Systematik

Klasse                              Insekten (Insecta)

Ordnung                         Hautflügler (Hymenoptera) 

Unterordnung              Taillenwespen (Apocrita)

Teilordnung                   Stechimmen (Aculeata) 

Überfamilie                   Bienen und Grabwespen (Apoidea) 

Familie                            Bienen (Apidae)

Unterfamilien               Colletinae – „Kropfsammler oder Urbienen“

                                            Gattungen z.B. Seidenbiene, Maskenbiene

                                            Andreninae – „Beinsammler“

                                            Gattungen z.B. Sandbienen, Zottelbienen

                                            Halicitinae – „Schmal- oder Furchenbienen“

                                            Gattungen z.B. Furchenbiene, Spiralhornbiene

                                            Melittinae – „Sägehornbienen“

                                            Gattungen: Sägehornbienen, Schenkelbienen, Hosenbienen

                                            Megachilinae – „Bauchsammler“

                                            Gattungen: Wollbienen, Blattschneiderbienen, Mauerbienen

                                            Apinae – „echte Bienen“

                                           Gattungen: Pelzbienen, Honigbienen, Hummeln


Ökologische Rolle

Wildbienen sind unverzichtbar als Bestäuber für Pflanzen und Bäume.

Auch für andere Tiere sind sie von Bedeutung, sei es als direkt als Futter für z.B. Vögel oder indirekt in dem parasitäre Arten die Nester und Brut der Bienen für den eigenen Nachwuchs nutzen.


Gefährdung

- Fehlen von Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten 

- intensiv betriebene Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden

- zunehmende Bebauung von Flächen (Wohnraum und betonierte Parkplätze)

- pflegeleichte Gärten mit wenig Lebensraum und Nahrung

- verschwinden von Wildkräutern 

- Rückgang von Sandwegen, alten Hecken, Totholz- oder Steinhaufen 


Aussehen

Wildbienen sind sehr vielgestaltig. Einige sehen so ähnlich aus wie die Honigbiene, andere hingegen können mit Ameisen, Wespen oder Schwebfliegen verwechselt werden. Es gibt Arten die stark behaart sind, aber auch unbehaarte „nackte“ Arten. Sie weisen unterschiedliche Farben (braun, rot, schwarz-gelb, metallisch grün oder blau) und Muster auf. Die Körperlänge schwankt dabei zwischen 1,5 mm und 39 mm. Bei den Wildbienen sehen Weibchen und Männchen zudem häufig sehr verschieden aus.


Stachel

Einige Bienen haben einen Stachel, dieser hat je nach Bienenart verschiedene Funktionen. Er dient als Giftstachel der Verteidigung (besonders bei staatenbildenden Arten), zum Anstechen von Pflanzen (Pflanzenwespen) und Wirtstieren (Schlupfwespen) für die Eiablage oder zur Lähmung von Beutetieren für die Aufzucht der Larven. Es gibt Biene bei denen der Stachel die menschliche Haut nicht durchdringen kann (Masken- und Sandbienen) und es gibt auch Bienen ohne Stachel. Der Stachel wird allerdings zur Verteidigung meist nur eingesetzt wenn sich die Beinen stark bedroht fühlen (z.B. Quetschen durch Finger). Die Männchen alle Arten tragen keinen Stachel, da dieser sich aus dem Eiablageapparat entwickelt hat. 


Nahrung

Wildbienen sind bei der Nahrungssuche häufig viel wählerischer als Honigbienen. Viele Wildbienenarten sind auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzenarten angewiesen. Es wird unterschieden zwischen oligolektischen (Pollenspezialisten) und polylektischen (Pollengeneralisten) Arten. Oligolektische Arten sammeln ausschließlich Pollen einer Pflanzenart oder nah verwandter Pflanzen. Polylektische Arten nutzen das Blütenangebot hingegen vielfältiger. Hierbei gibt es zwischen diesen beiden Gruppen unterschiedliche Abstufungen.

Beim Nektar hingegen sind die Bienen nicht spezialisiert, dieser wird überwiegend für die eigene Ernährung genutzt. 

Alle Blütenarten liefern Pollen, auch wenn dieser nicht immer für die Bienen verfügbar sind, aber manche Blüten liefern keinen zusätzlichen Nektar. 


Blütenbesuch

Bienen besuchen Blüten aus verschiedenen Gründen. Der wichtigste Grund ist die Nahrungsaufnahme in Form von Nektar bei beiden Geschlechtern. Nur die Weibchen die ein Nest bauen, sammeln zusätzlich Pollen für den Nachwuchs. Die Blüten dienen zudem der Kontaktaufnahme und ggf. Paarung. Weiterhin werden die Blüten als Schlafplatz oder auch als Schutz bei schlechtem Wetter von beiden Geschlechtern genutzt. Die weiblichen Wildbienen gewinnen neben Nektar und Pollen, auch noch Nistmaterialien. Die Blattschneiderbiene (Megachile) schneidet z.B. mit ihrem Kiefer Teile aus dem Blütenblatt aus.


Lebensweisen

Es werden drei verschiedene Lebensweisen unterschieden. 

 

Solitär lebende Bienen bilden bei den Wildbienen die größte Gruppe. Jedes Weibchen kümmert sich alleine um den Nestbau und die Pflege der Brut. 

Um die Brutpflege kümmert sich bei den solitär lebenden Wildbienen nur das Weibchen. Das Männchen hat seine Hauptaufgabe mit der Paarung erfüllt. Anders als bei den Honigbienen stirb es nicht sofort, lebt aber deutlich kürzer als die weibliche Wildbiene. 

 

Staatenbildende bzw. soziale Bienen leben in Verbänden und teilen sich die anfallenden Aufgaben auf. Hierzu gehören die Honigbienen, einige Furchen – und Schmalbienen und Hummeln. 

 

Ca. ein Viertel der Bienen lebt parasitisch, sie betreiben keine Brutvorsorge sondern nutzen die Nester anderer Bienen, z.B. Kuckucksbienen. Die Larven der Kuckucksbienen ernähren sich vom Vorrat und von der Wirtslarve. 


Nester

Bienen sind in der Regel bei der Wahl des Nistplatzes hochspezialisiert und dadurch besonders gefährdet wenn dieser Lebensraum wegfällt. 

Ca. 75% der Bienen leben im Erdboden und profitieren daher in der Regel nicht von Nisthilfen. Ein größerer Teil nagt Gänge in Totholz oder markhaltigen Pflanzenstengeln oder nutz bestehende Hohlräume (in Stämmen oder Steinen oder leere Schneckenhäuser), nur wenige Bienen bauen freistehende Nester und ein großer Teil sind Kuckucksbienen. 

Es gibt aber auch Arten die weniger Anspruchsvoll sind, die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) besiedelt zum Beispiel jeden Hohlraum der verfügbar ist (z.B. auch Türschlösser). Sie ist daher wie auch die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) ein häufiger Bewohner von Nisthilfen. 


Entwicklung

Nach der Begattung beginnt die Biene mit dem Nestbau. 

Im Laufe ihres kurzen Lebens baut eine einzelne Biene 4 bis 30 Brutzellen, dabei baut sie die nächste Zelle erst wenn die vorherige abgeschlossen ist. 

Sie füllt die Zelle mit Nahrung für die Larve (Pollen und Nektar) und legt das Ei (meist) direkt auf das Futter. Die Zelle wird verschlossen und innerhalb eines Jahres entwickelt sich aus dem Ei zunächst eine Larve und über ein Puppenstadium eine erwachsene Biene (Imago). Diese Biene schlüpft im kommenden Frühjahr aus dem Nest und beginnt schon bald mit der Paarung und dem Nestbau. 


Praktische Hilfe für Wildbienen

- naturbelassener Garten 

- Wildblumenwiesen die so zusammengestellt sind, dass das gesamte Sommerhalbjahr immer geeignete Blüten vorhanden sind

- Verzicht auf gefüllte Blüten, da diese kaum Nahrung enthalten oder die Bienen nicht an die Nahrung kommen

- verblühte Pflanzenstängel stehen lassen, in denen Insekten überwintern oder nisten können

- Altholz nicht entsorgen

- artgerechte Nisthilfen (Achtung, da kann man viel falsch machen! Auch viele kommerziell erhältliche sind nicht geeignet.)

- Wasserquellen in Form eines kleinen Teichs oder einer flachen Schale

- Wege aus Kies oder Platten mit Fugen statt Asphalt


Quellen

https://www.deutschewildtierstiftung.de  Deutsche Wildtier Stiftung, Christoph-Probst-Weg 4, 20251 Hamburg

www.wildbienen.info   Dipl-Biol. Dr. Paul Westrich, Raichbergstr. 38, D-72127 Kusterdingen

http://www.naturspaziergang.de/  Andreas Haselböck,  Usedomstraße 7, 70439 Stuttgart

http://www.wildbienen.de/ Hans-Jürgen Martin. Siriusweg 20, 42697 Solingen  

www.naturschutzcenter.de Naturschutzcenter, Graf-Wolfegg-Straße 71, 72108 Rottenburg

www.naturgartenfreunde.de   Werner David, Herzogstandstraße 4, 85435 Erding