Pflanzen und Pflegen von Streuobstwiesen

Obstbaumwiese Bergkirchen

Typisch für den Nordhang der Rehburger Berge sind die Streuobstwiesen. Großkronige Obstbäume an diesen Hängen bieten einer Vielzahl bedrohter Arten Unterschlupf, Nahrung und Brutstätten - ein ganz besonders schützenwertes Biotop am Rande unserer Dörfer.

1992 stellte die evangelische Kirchengemeinde St. Katharinen Bergkirchen dem NABU ein 13.300 m² großes Grundstück am Nordhang von Bergkirchen zur Neuanlage einer Streuobstwiese zur Verfügung. Bis heute pflanzten NABU-Mitglieder, Baumpatinnen und Baumpaten dort 75 hochstämmige Bäume unterschiedlicher Obstsorten. Hierbei wird auf den Erhalt "alter" heimischer, hochstämmiger  Sorten großen Wert gelegt.
   
Gegen eine Spende können hier Patenbäume, z. B. bei Anlässen wie Geburt, Hochzeit oder Taufe gepflanzt werden.

 

Link

Birnenquitte auf einer Streuobstwiese
NABU - Birnenquitte
Pflaume Hauszwetsche auf einer Streuobstwiese
NABU - Pflaume Hauszwetsche
Birne Alexander Lucas auf einer Streuobstwiese
NABU - Birne Alexander Lucas

Apfel Ingrid Marie auf einer Streuobstwiese
NABU - Apfel Ingrid Marie
Apfelquitte auf einer Streuobstwiese
NABU - Apfelquitte
Mirabelle von Nancy auf einer Streuobstwiese
NABU - Mirabelle von Nancy

Bedeutung von Streuobstwiesen

Vom NABU Samtgemeinde werden mehrere Streuobstwiesen betreut. Einige von ihnen sind bereits sehr alt, doch es werden auch neue Obstwiesen mit alten Sorten angelegt, um neuen Lebensraum zu schaffen und um die Natur erlebbar zu machen.

 

  • als Naturerlebnisraum

  • als Ort für Apfelfeste

  • zum Erhalt alter Obstsorten

  • als Treffpunkt für Gruppen

  • als Lebensraum für Tiere und Pflanzen

  • als Landschaftselement in Kulturlandschaften

 

Im Landkreis sind Grundstücksgrößen von 400 qm bis zu 10 000 qm zu finden, die entweder von den Gruppen gepachtet werden oder in deren Besitz sind. Die Wiesen werden nicht mit Pestiziden oder anderen Chemikalien behandelt.

Pflege

Streuobstwiesen bedürfen einer intensiven und regelmäßigen Pflege, um sie zu erhalten. Auf den Einsatz von Großgeräten sollte dabei weitestgehend verzichtet werden, um Insekten sowie Kleinsäuger nicht zu gefährden. Das Kurzhalten der Wiese kann durch eine schonende, extensive Mahd, die nicht zu früh durchgeführt wird, um das Aussähen von Blühpflanzen zu gewährleisten, geschehen.


Eine weitere Maßnahme ist die Beweidung mit Schafen oder Pferden, die sich kontinuierlich um die Pflege der Wiese kümmern. Meist sind die Wiesen von Hecken umsäumt, die im Winter zurückgeschnitten werden sollten.


Und auch die Obstbäume müssen regelmäßig verjüngt werden.


Ohne Verjüngung oder Kronenauslichtung droht ein Auseinanderbrechen der Bäume. In den frühen Jahren müssen Erziehungsschnitte durchgeführt werden, um den hochstämmigen Bäumen ihre spätere Form zu geben.


Streuobstwiesen als Lebensraum

Streuobstwiesen bieten vielen Tier- und Pflanzenarten einen geeigneten Lebensraum. Da auf den Einsatz jeglicher Chemikalien verzichtet wird, kann sich Flora und Fauna hier ungestört entwickeln. Ihre vielfältigen Strukturen leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und beheimaten bis zu 5000 verschiedene Tierarten.


Beispielsweise gibt es viele Säugetiere, die die Strukturvielfalt von Streuobstwiesen zu schätzen wissen. Obst und Insekten dienen ihnen als abwechslungsreiche Nahrung, Hecken fungieren als perfekte Biotopvernetzung und dienen als Verstecke für die Aufzucht der Jungen.


Viele Vogelarten fühlen sich hier wohl, darunter Gartenrotschwanz, Specht, Dompfaff, Gartenbaumläufer, Wiedehopf, Halsbandschnäpper, Sumpfmeise, Steinkauz, Neuntöter und Pirol. Diese finden ein ausreichendes Nahrungsangebot und geeignete Brutmöglichkeiten vor.


Für viele Tierarten, die früher einmal oft anzutreffen waren, sind Streuobstwiesen mittlerweile der letzte Rückzugsort geworden. Zu den noch nicht selten gewordenen Säugern zählen verschiedene Fledermausarten, Siebenschläfer, Igel und Feldhase.


Auch unterschiedliche Amphibien- und Reptilienarten gibt es hier, z.B. die noch recht häufigen Erdkröten und Grasfrösche. Aber auch seltener zu beobachtende Tiere wie Salamander, Eidechsen, Blindschleichen oder Ringelnattern können auf Streuobstwiesen angetroffen werden.


Dank einer naturverträglichen Nutzung von Streuobstwiesen ist ein Insektenreichtum vorhanden, den es auf konventionellen Nutzflächen schon

lange nicht mehr gibt. Schon allein ein hochstämmiger Apfelbaum kann bis zu 1000 unterschiedliche Insektenarten beherbergen.

 

Als „Unkräuter“ geltende Pflanzen, wie z.B. Disteln, werden normalerweise mit chemischen Mitteln eliminiert. Auf Streuobstwiesen lässt man sie aber unbeeinträchtigt wachsen, denn sie dienen einer ganzen Reihe von Insekten als Futterpflanzen. Unter den Insekten gibt es auch viele Spezialisten, die auf das Vorhandensein einer ganz bestimmten Pflanze angewiesen sind.

 

Ackerhummeln, Hornisse, Wildbiene, Schwalbenschwanz und Kleiner Fuchs sind nur einige der häufigsten Insektenarten, die den Lebensraum für sich entdeckt haben.

 

Zu den Pflanzen der Krautschicht, die auf Streuobstwiesen vorhanden ist, gehören unter anderem Frauenmantel, Herbstzeitlose, Schafgarbe und Wiesenschaumkraut. Auch Salbei, Bocksbart, Margerite, Habichtskraut, Glocken- und Flockenblume sind anzutreffen.

 

Häufig anzutreffen ist die bekannte Gartenkreuzspinne. Weiterhin sind Kürbis-, Strecker- und Labyrinthspinnen heimisch.

 

Als Nahrungstier spielen Spinnen eine wichtige ökologische Rolle, nahezu alle Vogelarten ernähren sich von ihnen. Zu erwähnen ist auch, dass Weg- und Grabwespen Spinnen benötigen, um ihren Nachwuchs zu füttern.

Honigbienen

Für die Imkerei spielen Streuobstwiesen eine bedeutende Rolle. Da Bäume und Blühpflanzen zu unterschiedlichen Zeiten blühen, können sich die Honigbienen über einen langen Zeitraum mit Pollen versorgen und gesunden Honig produzieren.


Die Bienen auf der Obstwiese sorgen für die notwendige Bestäubung und den Ertrag: Ohne die Pollen sammelnden Insekten wären die Früchte deutlich kleiner und insgesamt weniger Kirschen, Äpfel & Co. zu ernten.

Obstsorten

Auf Streuobstwiesen werden ausschließlich hochstämmige, traditionelle Obstsorten angebaut, die das Gegenteil zur heutigen weitverbreiteten Niederstammplantage darstellen.


Hochstämmige Bäume sind robust und können deshalb sehr alt werden. Dafür tragen sie aber auch sehr viel später erst Früchte als die Niederstämme.


Bei den NABU-Gruppen im Landkreis Schaumburg sind die verschiedensten heimischen alten Obstsorten anzutreffen.


Auf allen Streuobstwiesen sind Äpfel als häufigste Fruchtart vertreten. Daneben sind Birnen, Pflaumen, Mirabellen, Kirschen und Walnüsse zu finden. Doch auch Besonderheiten kann man entdecken, wie z.B. den Speierling, der in Bückeburg und Lindhorst wächst.


Weiterhin ist in Bückeburg die Elsbeere vorhanden und auf der Streuobstwiese des NABU Obernkirchen wächst eine Mispel.


Viele alte Obstsorten sind nur regional vorhanden, wie z.B. der Extaler Apfel aus dem Kreis Lippe.


Der Speierling ist ein Wildobstbaum, der als Unterbau für Apfelbäume genutzt werden kann und sehr widerstandsfähig ist. Er gedeiht auch auf ungünstigen Böden und kann bis zu 600 Jahre alt werden. Dieser Baum ist in Deutschland nur noch selten anzutreffen.


Hier sind einige Sorten, die auf den Schaumburger Streuobstwiesen vorzufinden sind:


Kirschen


  • Sam

  • Hedelfinger Riesen

  • Büttners rote Knorpel


  • Schneiders Späte Knorpel

     

    Birnen

  • Williams Christbirne

  • Köstliche aus Charneu

  • Triumph aus Vienne

     

    Äpfel

  • Jakob Lebel

  • Schöner aus Boskoop

  • Gravensteiner

  • Kaiser Wilhelm

  • Biesterfelder Renette

  • Extertaler

  • Geheimrat Dr. Oldenburg

  • Roter Boskoop

 

Daneben sind weitere alte heimische Obstsorten wie Vogelkirsche, Walnuss, Wildapfel, Wildbirne, Hauszwetsche und Eberesche vorhanden.

 

Werden Sie Baumpate und unterstützen Sie unser Streuobstwiesenprojekt

 

Wikipedia Artikel zum Thema: Streuobstwiesen

BUND Projekt: Streuobstwiesen in Niedersachsen